Digital Communities

Dark Glasses.Portrait

Preis: Auszeichnung - Award of Distinction




Cyberarts 2012 - International Compendium Prix Ars Electronica 2012

Dark Glasses. Portrait ist eine Online-Kampagne zur Unterstützung von Chen Guangcheng und ein Aufruf zu seiner Freilassung. Chen Guangcheng ist ein blinder Bürgerrechtsaktivist. Er machte publik, dass Bewohner des Dorfes Lin Yi (Provinz Shandong) im Zuge der Durchsetzung der Ein-Kind-Politik Opfer von Gewalt seitens örtlicher Funktionäre wurden. Damit forderte er den Zorn der Behörden heraus und wurde wegen des erfundenen Vergehens „Beschädigung öffentlichen Eigentums und Störung des Verkehrs“ zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Nach seiner Freilassung wurde Chen Guangcheng von der Regierung ohne Angabe von Gründen unter Hausarrest gestellt. Viele Unterstützer versuchten, Chen und seine Familie zu besuchen, aber sie wurden gewaltsam daran gehindert, beraubt, festgehalten und in manchen Fällen schwer misshandelt.

Chens zehn Jahre alter Sohn wurde gezwungen, bei Verwandten zu leben, um weiter in die Schule gehen zu können. Nicht einmal während des Neujahrsfestes war es ihm erlaubt, seine Familie zu sehen. Chens sechs Jahre alte Tochter Kesi kann nur unter strenger Überwachung die Schule besuchen: Ständig folgen ihr vier bis fünf „Leibwächter“.

Am 20. April 2012 gelang es Chen Guangcheng aus dem Hausarrest zu fliehen. Am 23. April 2012 wurde er zuerst nach Beijing und dann von Freunden in die dortige amerikanische Botschaft gebracht. Nach Verhandlungen zwischen der chinesischen und amerikanischen Regierung wurde Chen Guangcheng ins Chaoyang-Spital in Beijing zur medizinischen Behandlung eingeliefert. Am 20. Mai 2012 flog seine Familie in die Vereinigten Staaten. Er lebt nun in New York.

Die Kampagne Dark Glasses. Portrait ruft chinesische Bürger und Menschen in der ganzen Welt auf, ihre Besorgnis und Unterstützung für Chen Guangcheng zum Ausdruck zu bringen. Jeder Teilnehmer setzt Sonnenbrillen oder Augenbinden auf, macht ein Porträtfoto, schreibt ein paar persönliche Gedanken und sendet das Bild an die Kampagne. Diese Fotos bilden eine stumme Bilderwand (http://ichenguangcheng.blogspot.com/), um unsere Solidarität mit Chen zum Ausdruck zu bringen.

Diese Kampagne umfasst nun 636 Fotos von ungefähr 700 Teilnehmern. Die Menschen zeigen großen Mut, wenn sie teilnehmen, denn sie wissen, dass diese Kampagne von den chinesischen Behörden verfolgt wird. Das mosaikartige Poster wird von NGOs wie China Aids, Women’s Rights without Frontiers, Front Line Defenders, Human Rights in China, The Alliance und Aktivisten in China verwendet. In den vergangenen Monaten fand es schnelle Verbreitung in China, Hongkong, Taiwan und den USA. Um ihre Unterstützung für Chen kundzutun, wurde es auf Fahnen, T-Shirts, Sticker und Poster gedruckt. Das Bild aus der Internet-Kampagne tauchte dadurch plötzlich in ganz verschiedenen Formen auf den Straßen auf. Es wurde auch in verschiedenen Medien veröffentlicht, z. B. RFA, China Real Time Report, ISunAffairs, China Files, Global Voices und anderen und wurde drei Mal bei den Hearings des US-Kongresses zu Chen Guangcheng erwähnt.