Das Projekt Apertus Open Source Cinema entwickelt ein modulares Kamerasystem, das aus etlichen Hard- und Softwaremodulen besteht. Dabei verwenden wir freie (FLOSS) Software und offene Hardware, um ein Gerät zu bauen, das alle Funktionalitäten aufweist, die professionelle Filmemacher sowohl im Studio als auch im Freien brauchen.
Das Apertus-Projekt ist seinem Verständnis nach mehr als eine Hardware/Software-Initiative. Es ist eine lebendige Plattform für Filmemacher, Leute aus der Kreativindustrie, Künstler und Liebhaber. Apertus ist gleichzeitig Community-Bewegung, Wissensforum und ein Ökosystem von Menschen die einander unterstützen und für Freiheit eintreten. Wir engagieren uns für freie Technologie, freie Information, freie Bildung, freies Wissen, freie Kultur, freie Kunst usw. Dazu gehört auch, dass wir alles, was wir entwickeln, der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen und mit Lizenzen schützen, die Freiheit garantieren, wie dies von der Free Software Foundation definiert wird (GNU GPL, Creative Commons usw.).
Die Filmproduktion galt lange als das Reich von ein paar auserwählten proprietären High-End-Herstellern. Dank des Geldes, das in Forschung, Entwicklung und Hightech-Herstellung in kleiner Stückzahl fließen, waren ihre Produkte nur den finanzstärksten Kunden vorbehalten. Dies ist eine geschlossene Welt par excellence. Erst in den letzten Jahren haben revolutionäre Veränderungen stattgefunden, und nun können auch kleinere Firmen innovative Kameras und andere Tools zu niedrigeren Preisen produzieren. Aber sie schützen ihre technologischen Geheimnisse um jeden Preis, und Hersteller blockieren den Zugang zum internen Design ihrer Produkte aus Angst, Marktanteile zu verlieren. Das hat dazu geführt, dass nur ungenaue oder überhaupt keine Dokumentationen existieren, und dass damit gedroht wird, Garantien für ungültig zu erklären – und zu künstlich beschnittenen Funktionalitäten. Das Ergebnis ist eine paradoxe Situation: Die Technologie fürs Filmemachen ist nun zwar verfügbar, aber nur dann, wenn die Freiheit, diese Tools zu nutzen, aufgegeben wird.
Bei Apertus glauben wir an offene Entwicklung und wollen in unserem Projekt vier wesentliche Freiheiten verwirklichen: Freiheit, Zugang zu sämtlichem Wissen zu haben, es zu nutzen und zu studieren; Freiheit, alles zu verändern und zu modifizieren; Freiheit, das ursprüngliche Wissen zu teilen; Freiheit, das Wissen über die Modifikationen und Veränderungen zu sharen. Am Beginn ging es bei Apertus lediglich darum, eine offene Kamera zu bauen. Im Jahr 2012 jedoch ist es bereits eine viel breitere Bewegung geworden. Nun steht das Projekt für:
eine Bewegung, die die Idee, Wissen zu teilen und kollaborativ zu arbeiten, aktiv verbreitet;
einen Pool von Filmemachern und Leuten aus den Kreativindustrien, die im professionellen Kinobereich und bei Kunstproduktionen zusammenarbeiten;
eine Haltung, die Individuen ermuntert, einen aktiven Geist zu entwickeln und zu hinterfragen, worauf sie aufbauen, und der Gemeinschaft wieder etwas zurückgeben;
eine Gruppe, die Wissen erarbeitet und publiziert, die Vorträge, Workshops und Events abhält;
einen Pool von Entwicklern, die an freier Software und offener Hardware für Film und Postproduktion arbeiten.