Computer Animation Film VFX

Rear Window Loop

Preis: Goldene Nica - Golden Nica



KünstlerInnen:
Jeff Desom (LU)


Cyberarts 2012 - International Compendium Prix Ars Electronica 2012

Alfred Hitchcocks Klassiker aus dem Jahr 1953 Das Fenster zum Hof ist nach Meinung vieler einer der besten Filme, die das Medium hervorgebracht hat. Es ist ein „durch und durch cinematischer Film“, wie Hitchcock später meinte, in dem er durch die Besonderheit der räumlichen Enge einen der wesentlichen Vorzüge der Kamera – die Fähigkeit, mühelos zwischen Nähe und Ferne umschalten zu können – zugleich ausnützen und ignorieren konnte. Der Plot ist bekannt: Jeff (Jimmy Stewart), ein gelangweilter Fotojournalist, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, kann sein Apartment in Greenwich Village nicht verlassen und hat als (nahezu) einzige Ablenkung den Blick aus dem Fenster auf die Apartmentanlage gegenüber. Doch wie Jean-Luc Godard anmerkte, erinnert man sich nie an die Einzelheiten von Hitchcocks Handlungen, sondern nur an die Kameraeinstellungen, in denen sie abgebildet werden. Im Falle von Fenster zum Hof haben sich jedoch weder bestimmte Szenen noch Kameraeinstellungen so in das Gedächtnis gebrannt wie die Architektur und die räumliche Anlage des berühmten Hinterhofs. Diese wurden bis zum Überdruss analysiert, jeder Filmstudent ist mit den Eckpunkten dieser Analyse vertraut, doch nie zuvor waren sie in einem Zeitraffervideo zu sehen.

Das Video, das von Jeff Desom akribisch montiert und lediglich mit After Effects und Photoshop bearbeitet wurde, verdichtet Hitchcocks Meisterwerk zu drei atemberaubenden Minuten, in denen das gesamte Filmgeschehen – ohne die dramatischen persönlichen Szenen zwischen den Protagonisten – vor Jeffs Augen ablaufen. Desoms Collage basiert zur Gänze auf Filmmaterial des Hitchcock-Klassikers, wobei die berühmte Panorama-Ansicht mit diversen Effekten (Tilt-Shift, Stabilisierung, Regeneffekt) maßgetreu nachgebastelt und vergrößert wurde, um eine täuschende Ähnlichkeit mit dem Original zu erreichen und die Veränderungen des Umfelds zu rekonstruieren, die die Erzählung vorantreiben. „Da alles aus so ziemlich demselben Winkel aufgenommen wurde, konnte ich die einzelnen Einstellungen ohne große Verzerrrungen in ein einziges Panorama des gesamten Hinterhofs einpassen“, meint Desom zu seiner Arbeit. (Text: Samuel Medina)